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RecyCoal. Energie aus Abfällen





Ein nachhaltiges Konzept, indem Kohle aus kommunalen Abfällen hergestellt und so die bestehenden gesundheitlichen und ökologischen Probleme reduziert werden.

 

Need

Mehr als drei Milliarden Menschen – fast die Hälfte der Weltbevölkerung – kochen mit festen Brennstoffen und Holz gilt als der wichtigste. Trotz zahlreicher Verbote der Rodung zur Brennholzgewinnung werden jährlich fast drei Millionen Hektar des bedrohten Regenwalds in Afrika abgeholzt. Die Folgen sind Wüstenbildung, Erosion und Verlust der Artenvielfalt.

Zusätzlich gilt das Kochen mit Holz innerhalb des Hauses als eine der Hauptursachen für schwere und tödliche Atemwegserkrankungen. Laut WHO stirbt alle acht Sekunden ein Mensch an den Folgen dieser vermeidbaren Rauchbelastung. Insbesondere Frauen und Kinder sind gefährdet, eine Stunde im Dunst des Kochfeuers entspricht dem Rauch von 400 Zigaretten. Umso schlimmer ist es, dass Familien trotzdem ein Drittel ihres Monatseinkommens für die Brennstoffe ausgeben müssen. Geld, welches ansonsten für Bildung oder zur Verbesserung ihres Lebensstandards ausgegeben werden könnte.

Concept

Ziel von RecyCoal ist die Herstellung eines in Relation zur konventionellen Holzkohle günstigeren Substituts, welches durch Pyrolyse von ungenutzter Biomasse gewonnen wird. Bei diesem Ansatz werden die meisten Schadstoffe bereits während des Pyrolyseprozesses eliminiert, wodurch bei der anschließenden Verwendung der RecyCoal-Kohle weniger toxische Rauchgase entstehen. Wir haben ein nachhaltiges Konzept zur Lösung der obengenannten Probleme entwickelt, indem wir Kohle aus kommunalen Abfällen herstellen. Durch die Verwendung dieses alternativen Brennstoffes können die bestehenden gesundheitlichen und ökologischen Schäden reduziert werden.

Um die Kohle herzustellen werden ligninhaltige Abfälle in einem eigens von uns entwickelten System pyrolysiert. Dazu wird das trockene Material zunächst zerkleinert und in ein Fass gefüllt. Im nächsten Schritt wird das Material angezündet und zu einem kleinen Teil verbrannt, um die benötigte Wärme zuzuführen. Anschließend wird das Fass luftdicht abgeschlossen und der Pyrolysevorgang kann beginnen. Um die Emissionen zu vermindern, wird zudem ein Nachbrenner verwendet, mit dem die entstehenden schädlichen Gase abgefackelt werden. Das Hauptprodukt dieser thermischen Zersetzung ist feine Kohle, welche abschließend mit einem Bindemittel, wie z. B. Maniok, zu Briketts gepresst wird. Die so entstandene Kohle hat einen höheren Heizwert als der Ausgangsstoff und ist als Brikett leichter zu handhaben.

Neben den gesundheitlichen und ökologischen Vorteilen bietet RecyCoal zudem die Möglichkeit, ein zusätzliches Einkommen durch den Verkauf der hergestellten Briketts zu generieren. Dazu ist nur ein niedriges Investitionsvolumen notwendig, die Amortisationsdauer beträgt lediglich einen Monat. Die Kosten für die Anfangsausstattung setzen sich aus den Preisen für ein Ölfass, eine Brikettpresse und einen Nachbrenner zusammen. Auch die laufenden Kosten für die benötigte Biomasse, das Bindemittel sowie die Verpackung und den Transport sind vergleichsweise niedrig. Daher lassen sich die hergestellten Briketts zu einem geringeren Preis als die herkömmliche Holzkohle verkaufen und stellen aus ökonomischer Sicht ebenfalls eine attraktive Alternative dar.

Das Geschäftsmodell ist zudem leicht skalierbar, indem die Anfangsausstattung um weitere Ölfässer oder einen professionellen Abfall-Schredder ergänzt wird. Auch eine Expansion in weitere Regionen ist möglich, dank der einfach anzupassenden Produktionsbedingungen und die Vielzahl an möglichen nutzbaren Rohmaterialien. Dazu stellen wir ein Handbuch bereit, welches sowohl das nötige technische Knowhow als auch das grundlegende ökonomische Wissen vermittelt.

Status Quo- Kigali, Ruanda

Im Sommer 2017 waren wir für sechs Wochen in Kigali, Ruanda, wo wir unser Pyrolyse-System unter Realbedingungen testen und für den Einsatz optimieren konnten. Zusammen mit unseren Partnern haben wir bereits die produzierte Kohle analysiert und wichtige Informationen für die Optimierung unseres Produktes gesammelt.

Um die Nachhaltigkeit unseres Projektes zu sichern, haben wir bereits begonnen, mit den Menschen vor Ort zusammen eine unternehmerische Grundlage für RecyCoal zu schaffen. Bereits jetzt gibt es „Farmers´ Cooperatives“ – Zusammenschlüsse mehrerer Kleinbauern unter der Leitung eines Vorstands – in denen Wissen und Erfahrungen ausgetauscht werden. Hier ist die zentrale Produktions- und Vertriebstelle unseres Unternehmens. Wir bilden die Kooperativen darin aus, unser Pyrolysesystem zu fertigen und zu betreiben. Sie kaufen das Material von den bereits zusammenarbeitenden Kleinbauern an, pyrolysieren es und verkaufen die produzierte Kohle dann auf dem lokalen Markt. Die anfängliche Investition wird von der Kooperative selbst getragen. Die Anschaffung eines Pyrolyse-Systems amortisiert sich bei voller Auslastung des Systems innerhalb von einem Monat. Dies bringt der Kooperative pro Monat 100 % des durchschnittlichen Einkommens in Ruanda zusätzlich ein. Hiervon kann nun erneut Material von Kleinbauern erworben werden, deren Grundeinkommen so ebenfalls steigt.

Momentan arbeiten wir mit drei verschiedenen „Farmers´ Cooperatives“ zusammen, die RecyCoal als Unternehmen aufbauen wollen. Im Mai 2018 werden wir erneut nach Afrika fliegen und unser Projekt final implementieren.

Outlook

Im Laufe dieses Jahres werden wir das Projekt endgültig in Kigali umsetzen und auf das ganze Land Ruanda ausweiten. Dort kochen immer noch fast 10 Millionen Menschen mit Holz – mehr als 80% der dortigen Bevölkerung. Auch diesen Familien wollen wir ein gesünderes Leben mit einer nachhaltigen Ressourcennutzung ermöglichen.

Mit dem Start des Jahre 2019 geht RecyCoal dann über die Ländergrenzen hinaus. Über die Einbindung in das Projekt „Rapid Planning“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung besteht Kontakt und Zusammenarbeit zu Projektpartnern in Vietnam und Ägypten. Zusätzlich haben wir Anfragen von möglichen Projektpartnern in Madagaskar und Gambia erhalten. An den jeweiligen Standorten werden wir Studien zur möglichen Ausführung und Umsetzung durchführen und weitere RecyCoal-Implementierungen starten.

 

Kontakt:

Marvin Volmert

Projektleiter

marvin.volmert (at) aachen.enactus.de

+49 157 37024987

Partner und Sponsoren